Oberschützen, die Heimat der Tauriscia, war bis zum Jahr 1818 ein gewöhnliches protestantisches Bauerndorf im Südburgenland, das zu jener Zeit noch zum Königreich Ungarn gehörte. In jenem besagtem Jahr wurde der evangelische Pfarrer Gottlieb August Wimmer als Vikar nach Oberschützen bestellt. Mit jugendlichem Elan trat er hier vor allem als Erneuerer und Veränderer auf. So kümmerte er sich um die Seelsorge, um den Kirchgang, um soziale und wirtschaftliche Angelegenheiten, um die Verbreitung von Bibeln und um die Ausbildung.

Sein größter Verdienst war aber die Errichtung der Evangelischen Schulanstalten, für die Oberschützen heute noch in ganz Österreich bekannt ist. Ja sogar schon um Mitte des vergangenen 19. Jahrhunderts wurde Oberschützen als idealer Schulort inmitten einer Landschaft beschrieben, der sogar Schüler aus Böhmen, Triest oder Siebenbürgen anzog.

Das Verbindungswesen in Oberschützen konnte sich aber erst nach dem Anschluss Burgenlands an Österreich(1921) entwickeln. Schüler gab es ja reichlich und so wurde bereits im Jahre 1922 die K.Ö.St.V. Asciburgia – die älteste Mittelschülerverbindung Burgenlands – ins Leben gerufen. Darauf folgte die Gründung der Burschenschaft Grenzwacht. Jahre nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges, wo Verbindungen verboten waren, begann sich in Oberschützen wieder ein Verbindungsleben zu entwickeln. 1956 kamen in Oberschützen Bestrebungen für die Gründung einer „Evangelischen Mittelschuljugend“ nach dem Vorbild der „Katholischen Mittelschuljugend“ auf. Da aber befürchtet wurde, dass die national gesinnten Burschenschaften dadurch reaktiviert werden könnten, wurde diese Idee vorerst auf Eis gelegt. Die Absicht, eine evangelische Mittelschülerverbindung zu gründen, nahm erst konkrete Formen an, als es gelang, den neuen Ortspfarrer von Oberschützen, Kurt Tepperberg, sowie Prof. Ludwig Szeberényi für diese Idee zu gewinnen.

Pfarrer Tepperberg ermöglichte eine gute Verbindung zum Wingolf zu Wien – einer christlichen Verbindung auf Hochschulebene. Er kannte den Wingolfsbund bereits aus seiner Studienzeit in Halle an der Saale. Der Wingolf zu Wien sah in der Gründung einer evangelischen Mittelschülerverbindung die Chance, seine Nachwuchssorgen aus der Welt zu räumen. Der Wiener Wingolf wurde damals hauptsächlich von deutschen Studenten, die für einige Zeit in Wien studierten und bereits Mitglieder im Wingolfsbund waren, getragen.

Es bot sich nun die Möglichkeit, den Wingolf zu Wien zu einer „österreichischen“ Verbindung zu machen. Deshalb unterstützte er die neue Mittelschülerverbindung vor allem in der Anfangsphase sehr stark. Am 2. Mai 1958 wurde die „Evangelische Mittelschülerverbindung (EMV) Tauriscia zu Oberschützen“, die erste und einzige evangelische Schülerverbindung Österreichs, gegründet. Zugleich war sie die einzige evangelische Pennalkorporation der Welt, da sich die (protestantisch ausgerichteten) Coeten Siebenbürgens nach dem Krieg nicht mehr reaktivieren konnten.

Gründungsmitglieder waren zwölf Schüler, Pfarrer Tepperberg und Prof. Szeberényi. Der Name leitet sich von dem keltischen Volksstamm der Taurisker, die zu den ersten Bewohnern des Südburgenlandes zählten, ab. Der Wahlspruch der Verbindung heißt „Gott, Freiheit, Vaterland“. Als Farben wählte man violett–weiß–gold, die Farben des Frankfurter Wingolf, dem ein Teil der Aktiven des Wiener Wingolf angehörte.

Daneben symbolisieren sie auch den Wahlspruch: Violett ist die Farbe der Reformation und steht in diesem Fall für Gott; Weiß symbolisiert die Freiheit; Gold ist den Burgenländischen Landesfarben entnommen und bekundet die Liebe zur Heimat. Von Anfang an lehnte sich die Tauriscia sehr an den Wingolf an. Schließlich unterstützten die Aktiven der Mutterverbindung sie von Beginn an ideell, praktisch und materiell.

Die Tauriscia übernahm die Satzungen, den Comment und das Liedgut der akademischen Verbindung. Unterstützung kam natürlich auch von der ortsansässigen Asciburgia. Das erste Stiftungsfest Taurisciae konnte am 22. Oktober 1958 unter großer Beteiligung vieler Wingolfiten und Asciburgen gefeiert werden. In den ersten Monaten ihres Bestandes musste auch das Florettfechten eingeführt werden, um gegen die reaktivierte Burschenschaft Grenzwacht zu bestehen, die vornehmlich evangelische Schüler keilte. Bereits im Wintersemester 1959/60 wurden die drei ersten Taurisker beim Wingolf zu Wien aktiv. Von da an wurde die Verbindung zur Mutterverbindung noch viel intensiver und ein Großteil der Taurisker, die in Wien ein Studium begannen, wurden auch Mitglieder des Wingolf zu Wien.

Von Anfang an verstand sich die Tauriscia vor allem als Freundschaftsbund. Im Gegensatz zur ortsansässigen Asciburgia, deren politische Ausrichtung man als konservativ bezeichnen kann, legte sich die Tauriscia auf diesem Gebiet nicht fest. Zu den Zielen der Tauriscia zählte immer die Pflege studentischer Tradition, die gemeinsame Freizeitgestaltung, das Bekenntnis zu einem demokratischen Österreich sowie Wahrung der religiösen, kulturellen und gesellschaftlichen Interessen der Mitglieder. In diesem Sinne erlebte die junge Verbindung einen steilen Aufstieg und hatte zeitweilen eine Aktivitas von über vierzig Mitgliedern.

Auch in den Sechziger Jahren hatte die Tauriscia immer eine sehr große Aktivenschaft, die die Verbindung im Ort sehr bekannt machte. Fußball- und Sportveranstaltungen wurden ebenso wie Theater- und Konzertfahrten (auch zu den Rolling Stones) organisiert. Erst Mitte der Sechziger Jahre setzte, wie bei den anderen Korporationen, ein starker Mitgliederschwund ein, der sich bis in die Siebziger Jahre hinein zog. 1978 musste die Aktivitas zum ersten Mal vertagt werden.

Erst 1982 begannen sich wieder einige evangelische Schüler für das Verbindungsleben zu interessieren. Wenig später wurde dann mit ihnen und mit der Hilfe von Mag. Christian Buchhas, einem Philister der Tauriscia, der seit 1979 am BG/BRG Oberschützen unterrichtete, die Tauriscia wieder reaktiviert. Allerdings flaute das Interesse schon 1986 wieder ab und so musste die Tauriscia ihren Aktivenbetrieb Ende des Sommersemesters 1987 wieder aussetzen. Diese Vertagung schien endgültig zu sein.

Nach dem 70. Stiftungsfest der Asciburgia im Jahre 1992 erwachte wieder das Interesse auf evangelischer Seite. Mit der Hilfe der Asciburgia reaktivierten am 20. Dezember 1992 vier junge Gymnasiasten die Tauriscia. Allmählich begann die Tauriscia im Oberschützer Verbindungsleben wieder Fuß zu fassen. Die jungen Aktiven stießen aber vorerst auf Ablehnung in ihrer Altherrenschaft. Diese Spannungen konnten aber im Laufe der Zeit ausgeräumt werden. Auch mit dem Wingolf zu Wien, der Mutterverbindung der Tauriscia konnten wieder Kontakte geknüpft werden.

Mittlerweile ist der Kontakt zur Altherrenschaft durch die Bemühungen der Aktivitas (eigene Verbindungszeitschrift, Stiftungsfeste, etc.) wieder hergestellt. Die Tauriscia hat außerdem gute Kontakte zu den anderen burgenländischen Verbindungen und ist immer wieder auf deren Veranstaltungen zu Gast. Auch beim jährlichen Treffen des MKV, dem Pennälertag, war und ist sie mit offiziellen Vertretungen anwesend.